Thor

Thor, Sohn des Odin, der mit dem Hammer. Wer immer diesen Film gemacht hat wird diesen Hammer wohl auch mal zu spüren bekommen haben, ein leichter Dachschaden wäre zumindest eine Erklärung. Wobei der Totalschaden ausblieb, Marvel geht unbeirrt seinen Weg um die Heldentruppe „Die Rächer“ ins Kino zu bringen.

Nun gut, Comicverfilmungen sind grundsätzlich sehr selten wirklich gute Filme, das müssen sie ja auch gar nicht sein. Meistens sind es Geschichten über die Geburtsstunde des Helden, der Vorfall, zumeist Unfall, der zu seiner Entstehung führte, sei es ein explodierender Planet der den jungen Superman zum Umzug zwang, der um sich ballernde Gangster der einen Jungen zum Waisen machte der daraufhin seine Sinnkrise überwindet indem er als Fledermaus verkleidet Ganoven verprügelt, der normale Mensch der von einer radioaktiven Spinne gebissen wird, überhaupt Radioaktivität wird gern und oft genommen. Hinzufügen muss man nun die ein oder andere dynamische Actionszene in der unser Held seine neu gewonnen, neu entdeckten, neu was auch immer Kräfte vorführen kann, vielleicht kriegt man noch ein paar Momente mit in denen unser Jungheld verarbeitet was da eigentlich aus ihm geworden ist und was das für die Zukunft heißen mag bevor er den Bösewicht des Films den finalen Satz warme Ohren verpasst, und schon können wir das Kino gut gelaunt wieder verlassen. Soweit die Theorie.

Auch Thor unterscheidet sich von diesem Strickmuster nur bedingt, er ist mit seinen Kräften aufgewachsen und der ganze Background wurde der nordischen Mythologie entnommen. Der Film gibt uns im ersten Drittel auch einen schönen Blick auf Marvels Interpretation der nordischen Götterwelt, die Edda wäre wohl nicht entzückt.

Thor wird sympathisch dargestellt als kriegslüsternder Wohlstandsbubi. Auch wenn der Bezug zum Kampf gesellschaftlich bei den Asen ein wenig anders bewertet werden kann als bei uns zivilisierten Mitteleuropäern, den Wert von Besonnenheit hat man selbst hier schon entdeckt. Damit Thor das auch noch schafft wird er dann von Papa Odin auf die Erde verbannt und von seinem Hammer getrennt, hier bitte nicht nach Freud interpretieren. Thor wird darauf aufmerksam gemacht er müsse sich seines Hämmerchens erst wieder als würdig erweisen.

50 Jahre Steineklopfen, Donnerstags frei, ist ja schließlich dein Ehrentag. Das kommt davon wenn man seinen Hammer im Halteverbot parkt.

Die Folgezeit verbringt unser adeliger Spross dann damit sein Werkzeug wieder zurück zu bekommen, und dabei wird er auf die Unterschiede im Bereich Etikette und Technologie zu seiner Welt aufmerksam gemacht. Das ist bei der Gesamtdarstellung der Asen als fortschrittliches Volk eine Sollbruchstelle, Bifröst, der Zerstörer und nen Hammer in nem erlöschenden Stern schmieden gut und schön, aber wer zur Hölle ersetzt den ein Pferd durch ein mechanisches Fortbewegungsmittel.

Die Menschen tun es, und seine neue Freundin bringt ihn zum Fundort seines Hammers, da verprügelt er erstmal ein Dutzend Wachen der Geheimdiensttruppe die hier campen. Faszinierend wenn man bedenkt, dass die Praktikantin seiner Freundin Thor 20 Minuten vorher noch mit einem Tazer ausser Gefecht gesetzt hat. Technik die begeistert, Kampftechnik die jetzt einfach mal sein muss und am Ende kriegt Thor den Hammer nicht gestemmt, den er ist seiner nicht würdig.

Der nun folgende Nachdenkprozess findet mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Während der Vollständigkeit halber noch die geheime Identität Thors dazwischen geworfen wird, begibt sich der nachdenkliche Held, nachdem er recht problemlos aus dem Gewahrsam der Geheimdienstorganisation befreit wurde, wieder zu seiner neuen Freundin. Ich frage mich ob man so auch jemanden aus Guantanamo herausholen hätte können: „der war nur ein wenig überarbeitet, da hat er übertrieben, zuviel Temperament sie verstehen schon“. Also hat er sich nur gehen lassen, beim rausgehen kann man dann auch gleich noch was mitgehen lassen, denn die Geheimdienstleute sind blind, taub und dämlich, eine Konstante braucht man im Leben.

Die Wandlung zum demütigen, opferbereiten, mitfühlenden Helden im Zeitraffer geht locker weiter, wirkt in etwa so glaubwürdig wie ein deutscher Politiker zur Wahlkampfzeit und endet damit, dass Thors Hammer per Luftpost zu ihm zurückkehrt.

Etwas mehr Spass macht es da schon Loki zu beobachten, wie er entdeckt ein Frostriese zu sein, Ironie pur zu erkennen als Meister der Lügen selber seit Kindheit an belogen worden zu sein. Wie es den Anschein hat will er sich seiner Unwahlverwandtschaft entledigen. Natürlich trügt der erste Schein, er will Adoptivvater beeindrucken, so Lieblingssohn an Stelle des Lieblingssohn, statt König an Stelle des Königs oder Lieblingssohns werden. Unbedingt sicher ist man sich auch da nicht, denn was Loki sagt und was er meint ist eigentlich nie im Einklang.

Der Film leidet an Thors Sinneswandel im Schnelldurchlauf, damit dieser Charakterentwicklung nichts im Weg steht, müssen einige Opfer in Sachen Logik und Handlungsfluss schonmal sein. Glaubwürdiger wirkt die Entwicklung dadurch nicht, aber wenigstens passt so alles in den Film. Die Kampfszenen habe ich aus anderen Comicverfilmungen schon dynamischer in Erinnerung, hier soll es epischer wirken, heraus kam eher unspektakulär wirkendes Geprügel. Zumindest schön zu sehen, dass seit Star Wars die Schauspieler auch inmitten der Greenbox noch wissen wo sie sind. Übrig bleibt ein eher durchschnittliche Gesamtbild, kein Meisterwerk seines Genres, aber auch kein Totalausfall.

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