Frozen

Irgendwo muss man eine Grenze ziehen, und in diesem Falle ist das Maß voll, ich nehme den englischen Titel und nicht die deutsche irreführende Monstrosität.

Wo es bei „Rapunzel neu verföhnt“ noch witzig und treffend war, wenngleich der Tiefsinn des Originaltitel nicht erreicht wurde, ist mit „die Eiskönigin, völlig unverfroren“ der verzweifelte Versuch daran anzuknüpfen, kläglich gescheitert. Das klingt nicht frech und cool, das klingt am Film vorbei. Disney sollte das deutsche Marketing Team in die Antarktis schicken um nochmal über den Titel nachzudenken.

Disney und ich, das ist eine sehr belastete Beziehung, und dazu gibt es einen gesonderten Artikel, denn wenn ich damit hier anfange, geht es nicht mehr um Frozen. Das wäre schade denn zu dem Film gibt es genug zu sagen.

Frozen ist eine sehr lose Erzählung des Märchens „die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen. Im Prinzip ist dies Disneys große Stärke, das kreative Material eines anderen zu nehmen und es neu zu interpretieren…und mit viel zu vielen Gesangseinlagen zu garnieren.

Die interessanteste Gesangseinlage gibt es gleich zu Anfang, in dem Lied der Eishändler wird die gesamte Handlung des Filmes angedeutet, sehr interessant.

Im Königreich Arendelle gibt es zwei junge Prinzessinnen, Elsa welche Eis, Schnee und Frost erzeugen kann, und ihre jüngere Schwester Anna. Beim Spielen verletzt Elsa ihre Schwester mit eine ihrer speziellen Kräfte, und ihre Eltern reisen mit den beiden Mädchen zu den Trollen, die mit ihrer Magie Anna retten, und ihre Erinnerungen an Elsas Kräfte löschen. Fortan sind beide Schwestern voneinander getrennt, wenn auch nur durch die Zimmertür von Elsa. In immerwährender Angst die Kontrolle über ihre Kräfte zu verlieren isoliert sich Elsa von allen ausser ihren Eltern. Diese schließen das Schloss für die Öffentlichkeit. Die Auswirkungen auf die Schwestern sind verheerend, die eine lebt in ständiger Angst vor ihren Fähigkeiten, die andere giert nach Zuneigung, leidet unter der Einsamkeit und der Trennung von Ihrer Schwester. Der Fortlauf der Jahre wird durch den Song Do you want to build a Snowman sehr gut untermalt, zeigt auch die Entwicklung der Gesamtstimmung von Anfangs fröhlich zu melancholisch.

Die Eltern sterben bei einer Schiffsreise, und drei Jahre später öffnen sich die Tore des Schlosses erstmals denn die Krönung von Elsa zur Königin steht an. Anna ist sehr aufgeregt und nimmt den Heiratsantrag eines jungen Prinzen an den sie kaum kennt. Elsa lehnt diese Hochzeit ab, es kommt zu einem Streit der Schwestern, Elsa verliert die Kontrolle über ihre Kräfte und flieht aus dem heimischen Palast über den unter ihr zufrierenden Fjord.

Die Flucht Elsas kulminiert im bekannten Song „let it go“, welcher die Befreiung Elsas von den selbstauferlegten Restriktionen bedeutet, aber auch eine Entscheidung für ein Leben allein, weit entfernt von der Zivilisation. Zumindest standesgemäß im eigenen Eispalast.

Ab hier flacht der Film ein wenig ab, wirkt mehr nach Routine, ein belebter  Schneemann als Comic Relief, eine Vielzahl Songs die man nicht hätte haben müssen, und eine Handlung die man zum Großteil von weitem kommen sieht.

Da legst dich nieder, für Wärmefanatiker ist Frozen schonmal gar nichts

Anna versucht Elsa zurückzuholen, wird von einer von Elsas Eisausbrüchen getroffen, muss durch einen Akt der wahren Liebe gerettet werden um nicht zur Eisstatue zu werden. Zunächst denkt sie, dies kann durch einen Kuss ihres Verlobten gelingen, doch dieser erweist sich als Bösewicht des Films der nur des Thrones wegen heiraten wollte. Gerettet wird sie als sie sich in einen Akt der Selbstaufopferung zwischen ihre Schwester und das Schwert ihres Verlobten wirft, und der Trauer ihrer Schwester, die Annas Verwandlung zur Eisstatue beweint. Ein Akt der wahren Liebe ohne männliche Beteiligung.

Disney greift dem Zeitgeist entsprechend nach starken Frauenfiguren, auch wenn weder Elsa noch Anna wirklich als weibliches Vorbild taugen, die meisten 20+ Jahre alten Anime Filme aus Japan haben bessere Beispiele für starke, selbständige weibliche Vorbilder. Für Disney war das allerdings schon recht viel.

Elsas Situation wird häufig als Gleichnis zu Homosexuellen angesehen, anders geboren, ständig im Versuch das Geheimnis zu bewahren. Doch das läßt sich auf viele Arten von „anders“ anwenden, Autismus wäre auch ein passendes Beispiel. Die Szene in der Berghütte in der Anna Christoph kennenlernt wäre da ein deutlicherer Hinweis auf Disneys entspannteres Verhältnis zur Homosexualität, als der Verkäufer auf seine Familie hinweist und im Fenster ein paar Kinder und ein anderer Mann den Zuschauer angrinsen.

Frozen ist ein guter  Film, unter der glatten Disneyfassade sind eine Menge Ideen und Anregungen versteckt, einige Stereotype Disneymotive wie die Liebe auf den ersten Blick werden ad absurdum geführt. Annas Liebe zu Hans ist falsch, eine Illusion. Wahre Liebe ist deutlich komplizierter, zeigt sich in ihrem Verhältnis zu Christoph und zu ihrer Schwester.

Sich selbst zu akzeptieren, mit sich selbst in Harmonie zu sein ist ein weiteres Motiv des Films, es steckt eine Menge in Frozen.

Dieser Beitrag wurde unter Anime Areal veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.