Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere

Da war sie nun, die vorerst letzte Reise nach Mittelerde. Der Hobbit verabschiedet sich mit viel Getöse und Kampfeslärm von der Kinoleinwand. Zurück läßt er eine Menge Tolkien- und Fantasy Fans mit gemischten Gefühlen.

Worum geht es im Hobbit? Um den Hobbit Bilbo der von Gandalf auf eine Reise durch die Welt mitgenommen wird, dabei entdeckt wieviel größer die Welt eigentlich ist, und auch wieviel größer er selber. Dazu geht es um 13 Zwerge die ihren Berg wieder haben wollen und dafür ebenfalls eine lange Reise durch die Welt in Kauf nehmen. Diese Welt, Tolkiens Mittelerde, wird in Jacksons Filmen lebendig, daran gibt es keine Zweifel, die Kulisse ist erstklassig, die weite Welt Mittelerdes entfaltet sich vor uns, und allein deshalb sind diese Filme schon ein Gewinn.

Kommen wir zu den Fragen die sich aus der Gesamtthematik zwangsweise ergeben, was hatte diese Filmtriologie mit dem Hobbit zu tun. Leider nicht allzuviel. Systematisch wird die Geschichte um den Hobbit zu einem Prequel des Herrn der Ringe. Was in über zwei Stunden im dritten Film gezeigt wurde, waren ungefähr 15 Seiten im Buch, gestreckt und viel hinzu gedichtetes, ein Jammer für den, der das Buch gelesen hat. Immer noch recht unterhaltsam für den, der es nicht kennt.

Denn den Charme des Buches, den Kern seiner Geschichte, verliert diese Verfilmung im Laufe der Zeit völlig aus den Augen, und es werden einige Anstrengungen unternommen den Herrn der Ringe immer wieder durch diese kleinere Geschichte durchscheinen zu lassen.

 

Außerdem übernimmt die ORK (Osgiliath Ringfreie Krankenkasse) sämtliche Operationen bei denen Prothesen eure Gliedmaßen ersetzen zu 40%, wo findet man das heute noch? Die Anmeldeformulare gibt es da hinten im Berg, Schalter 3 neben dem Goldhaufen.

Da haben wir zunächst Legolas, im Hobbit ohnehin deplaziert, und das Liebesdreieck mit Kili und Tauriel, die es weder im Hobbit noch sonstwo gibt. Alle Szenen mit Legolas waren nur dazu da, um weitere Querverbindungen zum Herrn der Ringe zu schaffen. Erwähnen wir doch Glimli damit Legolas den Zwerg seiner Träume schonmal zu Gesicht kriegt. Aragorn kriegen wir in den Film nicht so recht rein, dafür sind alle männlichen Hauptrollen irgendwie Aragon Small Business Version. Am Ende erwähnen wir Aragorn, pardon, Streicher dann nochmal damit es auch der letzte mitkriegt, und eine Verbindung Legolas/Aragorn geschaffen wird. Irgendwie muss man die drei Filme ja voll kriegen.

Dann haben wir die Parallelgeschichte um den Nekromanten und Dol Guldur. Dies direkt an den Hobbit zu hängen ist erstmal nicht so schlecht, das Ergebnis war am Ende dann sehr unerfüllend. So richtig vermißt hätte man bei dem „Payoff“ nichts von diesem B-Plot, man hätte ihn völlig rausschneiden können. Hier ging es um den puren Bezug zum Herrn der Ringe, Sauron, die neue Gefahr im Osten. Irgendwie muss man die drei Filme ja voll kriegen.

Kommen wir dann nochmal auf Tauriel zurück, wozu braucht der Hobbit eine Liebesgeschichte als C-Plot? Die Idee in Tolkiens, zugegeben weiblich etwas kargen, Welt noch eine Figur hineinzustellen, kann ich zwar nachvollziehen, warum man dann gleich eine Liebesgeschichte der Art „made by Disney“ zimmert ist mir schleierhaft. Irgendwie muss man die drei Filme ja voll kriegen.

Der Film um die Schlacht der fünf Heere zeigt eine von Jacksons Stärken aus dem bekannten Herrn der Ringe Filmen, und das sind Schlachten. Auch wenn hier zu Recht alles eine Nummer kleiner war, auf offenem Feld kommt der Film ordentlich in Fahrt.

In den Einzelduellen wirkt das Ganze dann schon deutlich schwächer, der Ork der unter der Eisdecke sich erstmal ein wenig treiben läßt bevor der Kampf weitergeht, Legolas der beim Steinetreten schonmal Werbung macht für den neuen Hobbit Plattformer fürs Smartphon. Das ist alles zuviel glattes emotionsloses CGI Gewitter, die Künstlichkeit des ganzen saugt den Esprit aus jeder Szene.

Um zur eigentlichen Handlung zu kommen, müssen wir zunächst den Ballast aus dem letzten Film abwerfen, den Drachen Smaug. Der wird wie „angekündigt“ von Aragorn light, pardon, Bard mit einem schwarzen Pfeil erlegt, und man fragt sich, warum dies nicht als Höhepunkt das Ende des letzten Films hätte sein können. Man hätte darauf verzichten können dort die Zwerge ewig lange durch die Wasserstadt schleichen zu lassen und die Zeit so produktiver nutzen. Auch der lange „Kampf“ im Berg mit dem Drachen wäre kürzbar gewesen, Tolkien hat den aus gutem Grund nicht vorgesehen, Smaug muss nur einmal an der richtigen Stelle die Heizung aufdrehen und die Sache wäre erledigt.

Nachdem Smaug entsorgt ist, beginnt Thorin, zwergisch korrekt, seinen Schatz zu genießen. Ein wenig zu sehr, teilen kommt nicht mehr in Frage, weder mit dem arroganten Elfenkönig, der alle schlechten Eigenschaften die Elfen so haben hervorragend über den Bildschirm bringt, noch mit den durch Smaug enteigneten Menschen denen er einen Anteil versprochen hatte. Diese Wandlung Thorins wird als Drachenfieber erkannt, an der schon sein Großvater erkrankt war.

Thorins Krankheit wird recht gut dargestellt, wenn seine Stimme an die von Smaug erinnert kommt sehr gut zur Geltung was da eigentlich passiert. Seine Heilungsszene auf goldgepflasterter Straße war dann irgendwie gewollter aber nicht gekonnter, künstlerisch ambitionierter Blödsinn der deutlich zu lange lief. Effektiver wäre gewesen, wenn man aus den Augen Thorins die Schlacht gesehen hätte, das zurückfallen der Zwerge, die sterbenden Menschen und Elfen, die Gedanken kreisen um Ehre und Reichtum, um ihn dann in die Schlacht stürmen zu sehen.

Was soll das heißen „Lass uns einfach nur Freunde bleiben“? Kann doch nicht sein, Legolas holt sich einen Korb. 

Aus der Schlacht stürmt Thorin dann zum Kommandostand der Orks, auf den Rücken von günstiger weise in dem Moment neben den Zwergen geparkten Steinböcken. Wo die auf einmal herkamen sehen wir vielleicht im Direktors Cut, in der Kinoversion waren die irgendwie unerwartet.

Am Ende stirbt Thorin seinen vom Buch gewollten Heldentot, die Überlebenden feiern ihren Sieg, Bilbo geht nach Hause, und später sehen wir den gealterten Bilbo wie er seinen Geburtstag, Anfang des Herrn der Ringe Films, angeht, und Gandalf hereinbittet. Selbst hier muss nochmal ein Herr der Ringe Teaser her. Auch die letzte Möglichkeit nochmal genauer darzustellen was diese Reise für den Hobbit bedeutete, wie es ihn reifen und wachsen lassen hat, wird lieber für eine weitere Querverbindung genutzt.

Der Film war insgesamt recht unterhaltsam. Überhaupt waren die drei Filme nicht so schlecht, wenn es wirklich um den Hobbit ging waren sie großartig. Vielleicht schneidet irgendwer den restlichen Kram mal raus und wir sehen die eigentliche Geschichte mit weniger Nebengeräuschen. Material wäre genügend vorhanden. Denn der Hobbit könnte als Geschichte auf eigenen Füßen stehen, groß genug sind Hobbitfüße dafür allemal.

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