Star Trek TNG – Die Filme

Star Trek The next Generation war eine Erfolgsserie von welcher das Franchise lange zehren konnte. Die Anfangsprobleme von DS9, die späteren Dauerprobleme von Voyager, all das hätte diese Serien sicher schneller aus dem Verkehr ziehen können, wie später mit Enterprise auch geschehen, wenn TNG nicht das gewesen wäre, was es war.

Dann ging auch diese Enterprisecrew wie ihre Vorgänger auf die große Leinwand, die Achterbahnfahrt begann um mit dem einzigen richtig schlechten Film mit gerader Nummer zu enden. Die Fernsehserie profitierte von den vielen starken Charakteren, von der es jede schaffte eine Folge auch alleine zu tragen. Schon zu diesem Zeitpunkt waren Picard und Data Fanlieblinge, doch auch die anderen hatten ihre Fans und bekamen einige gute Drehbücher. Für die große Leinwand musste man sich etwas mehr auf einige wenige Charaktere fokussieren, und anders als bei der klassischen Serie, wo sich alles auf Kirk, Spock und McCoy schon in der Serie konzentrierte, würde das bei TNG merkbar werden. Der Schritt zum Film war hierdurch schon etwas schwerer.

Man hatte sich fürs Kino auf Picard und Data konzentriert, eine logische Entscheidung sollte man denken. Allerdings machte der Film Picard nie den Eindruck der Serien Picard zu sein, und Data musste sich mit Tätigkeiten aus dem Actionbereich oder als Humorbombe verdingen, häufig zu Lasten seiner Charakterentwicklung aus sieben Staffeln Fernsehserie.

Außerdem muss man bei Star Trek Filmen auch immer die Star Trek 2 Direktive im Auge behalten. Der beste und interessanteste Star Trek Film überhaupt, zumindest nach mehrheitlicher Meinung, war der Zorn des Khan, und Bezug nehmen auf ihn, und seinen Erfolg kopieren ist der feuchte Traum von jedem Verantwortlichen eines Star Trek Films. Hat nie so richtig geklappt, was nicht bedeutet, dass man sich in Hollywood irgendwann was neues ausdenken würde.

Einige Elemente aus der Zorn des Khan wurden immer wieder gezogen, im wesentlichen:

Rückgriff auf Ereignisse in der Serie

Ein starker charismatischer Antagonist (ohne zu wissen wodurch jemand dazu wird)

Parallelen zu großer klassischer Literatur (Moby Dick, A Tale of Two Cities, Paradise Lost)

Den Freischwimmer was das angeht erhält Star Trek 4 der ohne direkten Antagonist und größeren Serienbezug auskam. Nun im Schnelldurchlauf, Filme 7-10

Star Trek 7 – Treffen der Generationen

Picard bekommt schlechte Nachrichten und heult rum, Data einen Emotionschip und heult rum, Troi den Führerschein abgenommen nachdem sie die Enterprise vor die Wand gefahren hat, sie heult deswegen aber nicht.

Der Film kreist so sehr um seine Idee die beiden kommandierenden Offiziere der Enterprise zusammenzuführen, dass eine Menge auf der Strecke bleibt. Damit dieses Treffen stattfinden kann wird das entsprechende Handlungselement, der Nexus, derart in den Vordergrund gezogen, dass Charaktermomente zum gebeutelten Picard und den emotionsbelasteten Data, aus denen man vom Setting her mehr machen konnte, nur wenig Zeit bekamen. All das für ein nicht sehr erfüllendes kurzes Kennenlernen von Kirk und Picard. Der Heldentot von Kirk wirkt unangemessen trivial, und wäre anhand der internen Filmlogik rund um den Nexus sogar leicht vermeidbar gewesen.

Ich dachte sie wären größer, und was soll dieses kindische Hoppe Reiter spielen. Picard ist sich ob dieses Treffens nicht mehr so sicher.

Dazu Rückgriff auf die Serie, Lursa und B‘Etor kamen schon in der Serie als Antagonisten vor, wiedererkennungswert pur, stark und charismatisch sind beide nicht, dafür ist dies Filmbösewicht Dr. Soran (nicht Dr. Zaius) auch nicht, das gleicht es locker wieder aus.

Ein schwacher Start ins Kino mit vielen handwerklichen Fehlern.

Star Trek 8 – Erster Kontakt

Picard ist Captain Ahab, Data ist unverwundbar und ein Borgqueenmagnet.

Der erste Kontakt ist mit Abstand der beste TNG Film, und wohl auch einer der besten Star Trek Filme überhaupt. Die Borg greifen die Erde an, scheitern, greifen zu Plan B, reisen in die Vergangenheit und assimilieren die Menschen dort. Die Enterprise reist hinterher, und wir sehen wie Picard sich seines eigenen Borgtraumas entlang ein wenig in Rachegedanken verrennt. Data verrennt und verguckt sich in die Borgqueen, und am Ende stoppt man die Manipulation der Zeitlinie durch die Borg. Das alles ist garniert mit vielen Charaktermomenten, guten Actionszenen und auch einigem an Humor.

Oh Jean Luc, nie rufst du deine Mutter an.

Der starke charismatische Antagonist hier soll wohl die Borg Queen sein. Das die Borg als Kollektivveranstaltung am Ende doch eine einzelne Führung haben, ist durchaus eine kontroverse Thematik. Schlussendlich war das Schwarmbewusstsein die definierende Eigenschaft der Borg, einzelne sind fehleranfälliger, alle zusammen werden zur richtigen Entscheidung und Anpassung kommen. Hier greift Star Trek 2 ein und verlangt nach einem starken charismatischen Gegenspieler der greifbar ist. Außerdem gibt es wieder ein wenig Moby Dick bezug und Picards Borggeschaffener Leidensweg aus der Serie spielt eine zentrale Rolle.

Zwischen 2 und 8 wird meistens entschieden wenn es um den besten Film geht, das spricht wohl für sich, ich persönlich habe einen anderen Favoriten.

Star Trek 9 – Der Aufstand

Picard ist im vierten Frühling, Riker rattig auf Troy, Worf endlich in der Pubertät und Data hat seinen Resetknopf gefunden.

Der Film fühlt sich an wie TNG, wie eine überlange Folge der Fernsehserie, die Charaktere sind bis auf kleine Schönheitsfehler wiederzuerkennen. Alles ist toll bis man sich die Dämlichkeit der Handlung genauer ansieht. Data darf das Kind im Droiden entdecken, im Heu spielen und andere Albernheiten unternehmen. Picard darf einmal mehr Actionheld sein, und nebenbei seine eigene Argumentationslinie aus der Serie auf den Kopf stellen.

Was soll das heißen die Handlung ist an den Haaren herbeigezogen? Welche Haare? Zuviel Denken macht sowieso nur Falten.

Hinzu kommen hanebüchene handwerkliche Fehler (Leute fliegen nach Explosionen in die falsche Richtung, heben zu früh ab), logische Totalausfälle in der Handlung (Das getarnte Schiff wird im See geparkt statt im Orbit) und die Baku scheinen mir eher Elfen zu sein von ihrer Gesamtbeschreibung, lehnen Technologie ab, können sie aber benutzen und wissen offensichtlich trotz mangelnder Praxis mehr als die Enterprisecrew. Dazu leben sie in Harmonie mit der Natur und sind alle weiß. Fehlt nur noch das Baumhaus.

Ich schau mir den Film gerne an, in Kino hätte das ganze irgendwie nicht gehört, als Serienspecial im Fernsehen wäre es toll gewesen.

Star Trek 10 – Nemesis

Picard fährt Strandbuggy, Data ist tot und Star Trek röchelt schon.

Star Trek Nemesis versucht sich an den Zorn des Khan anzudocken wie kein zweiter Film (später hat dies into Darkness lässig und schamlos übertroffen). Picard soll zu Friedensverhandlungen nach Romulus, sammelt unterwegs einen Dataklon ein, lernt die Remaner kennen, diese leben geheimgehalten auf dem Hinterhof Romulus nebst Spitzenraumschiff das getarnt schießen kann und eine Weltenvernichtungswaffe dabei hat. Dort trifft er auf seinen Klon Shinzon der davon träumt sein Leben mit Picards Blut zu retten (hat aber wohl keine Eile so wie er agiert) und dann die Erde zu zerstören (steht so im Handbuch für Bösewichte) kurz nachdem er Troi mental vergewaltigt (was…ne dazu fällt mir nichts ein). Charaktermotivation vom feinsten.

Der Film ist von vorne bis hinten Mist und das in aller Einzelheit zu erklären konterkariert die im Schnelldurchlaufidee dieser Sektion. Das schlimmste hierbei waren die nicht präsenten Zielkonflikte auf denen der Film eigentlich aufgebaut sein sollte. Die Dynamik zwischen Kirk und Khan kann das Duo Shinzon und Picard nicht mal simulieren.

Shinzon ist nicht einmal ansatzweise ein Dunkler Spiegel von Picard, die haben nur zufällig die gleiche Frisur. Zudem ist in der Serie diverse male ein „was wäre wenn“ Szenario zu Picard aufgekommen, und jedesmal überzeugender als das hier. Picard einem Khanesquen Widersacher auf den Hals zu hetzen hat man bereits in Star Trek 8 getan, und auch hier deutlich besser. Shinzon aus dem Hint…aus dem Hut zu zaubern war deutlich weniger effektiv. Da der Film und seine Idee mit der Picard/Shinzon Geschichte steht und fällt, fällt er.

Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito waren sich im Film Zwillinge ähnlicher als wir beide, und was soll dieser Grünstich?

Wie Shinzon an einen Soong Droiden der aussieht wie Data gekommen ist, ist eigentlich schon mysteriös genug. Damit hätte man einen Film füllen können. Wieso man nicht zumindest einmal Lor erwähnt hat in Bezug auf dieses Rätsel, warum man einen potentiell gefährlichen Androiden frei rumlaufen läßt, auch in Bezug auf die Erfahrungen mit Lor, und ihn mit Datas Erinnerungen füttert, es ist schwer nachvollziehbar. Dafür darf Data wortlos sterben, nachdem er Picard auf Shinzons Schiff hinterhergereist ist um ihm den Notransporter an die Jacke zu heften. Da der Transporter auf Altersteilzeit ist, konnte nur eine Person rübergebeamt werden. Statt mit Worf oder Data einen deutlich schlagkräftigeren Mann rüberzuschicken, ist ein 60erjähriger der das jetzt einfach für sich machen muss sicher die bessere Wahl, um als One-Man-Army ein Schiff voller Remaner auszuschalten.

So wie Star Trek 8 in Konkurrenz mit 2 um die Krone des besten Star Trek Films buhlt, so ist Nemesis in der Konkurrenz zum schlechtesten Star Trek Film aller Zeiten mit Star Trek 5 gut im Rennen, für mich hat er dieses schon gewonnen.

Dieser Beitrag wurde unter Im Schnelldurchlauf... veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.