Pacific Rim

Riesige reptilesque Monster kommen durch ein interdimensionales Portal im Pazifik und greifen die Erde an. Die Menschen schlagen zurück indem sie entsprechend große Roboter zur Verteidigung bauen. Power Ranger meets Godzilla, zumindest immer mal kurz zwischendurch wenn das langatmige „Charakterdrama“ Platz macht für die Action.

Seit Transformers bin ich skeptisch bei dieser Sorte Film, die Qualitätsmeßlatte packe ich schon im Vorfeld ein und nutze den Popcornlevel Meßanalytiker 3000. Soviel Fairneß ist nötig wenn man sich um Filme wie diesen bemüht. Schauen wir also mal was dieser Film uns so anbietet.

Da hätten wir also zum einen die Monster, groß, laut und destruktiv. Gesendet von Außerirdischen um mal eben die Menschen vom Siedlungsgebiet zu fegen, zumindest soviel Hintergrund kommt durch.

Auf der anderen Seite die großen Roboter, Bedienung per neuronaler Schnittstelle durch zwei Piloten die kompatibel sein müssen um beide in der gleichen Schnittstelle abzuhängen. Das nennt sich dann Driftkompatibel, und während der ungeneigte Zuseher noch die technischen Details der ach so faszinierenden Roboter zu hören bekommt darf unser Protagonist zur Eröffnung mit seinem kompatiblen Bruder dem ersten Monster die Gelatine aus dem Laib prügeln. Das läuft nur semierfolgreich und nachdem sein Bruder aus der Handlung fällt muss unser Held den Kampf kurz alleine zu Ende bringen und den Firmenwagen dann am Strand einparken.

Ich weiß nicht, dieser neue Stepmaster scheint mir etwas zu unhandlich für das tägliche Training. Die Zukunft ist toll, ob ein kleiner Spaziergang um den Block, oder mal eben zum einkaufen, im neuen Roboter ist das schnell erledigt.

Ohne Partner widmet sich unser Held neuen Aufgaben bis zu dem Punkt wo die Weltregierung meint, Roboter sind doof und teuer, wir bauen ne Mauer um den Pazifik und lassen die Viecher einfach schwimmen. Es gehört wahrscheinlich schon einiges dazu einen Plan zu entwickeln der noch dämlicher ist als die Robotereinsatztruppe, Pacific Rim schafft dies aber mühelos. Man sollte bei Filmen wie diesen nicht zuviel nachdenken, vom logistischen Aufwand Material für eine entsprechende Mauer heranzuschaffen, über die Frage ob man auf den Verkehrsweg Pazifik verzichten kann bis hin zur Frage was man macht wenn die Viecher lernen zu klettern wird man sich ohnehin nur das Hirn verrenken.

Was an Robotern übrig ist verschifft der Chef der Truppe dann kurzerhand nach Hong Kong, läßt sich von einigen Kriminellen fremdfinanzieren um seinen Plan, das Portal einfach mit einer großen Bombe kaputtmachen in die Tat umzusetzen. Die Frage warum dies nicht einer der ersten Pläne unserer im Angesichts der Gefahr zusammengerückten Welt war, stellt sich hier bestenfalls der Zuseher.

Für den Bombenplan braucht der Herr aus der Chefetage auch den bereits erwähnten Held als Piloten, und der braucht einen neuen Partner. Mit dieser „Partnersuche“ verbringt der Film dann auch den Großteil seiner Zeit. Die einzige Kandidatin darf nicht, darf doch, schwächelt im Test, darf deshalb wieder nicht, darf als Not am Mann ist dann wieder doch, und mangels Gegenkandidaten, oder auch nur der geringsten Bemühung diesen Handlungspunkt ansatzweise mitreißend zu präsentieren, verläuft so ein Großteil des Films in selbstgewählter Agonie.

Die Piloten der übrigen drei Roboter sind derweil klischeeartig bis zum Exzeß, da wären zum einen die beiden Russen bei denen man Olga und Iwan schon am Horizont als zu erwartende Vornamen einsetzen mag, und chinesische Drillinge in Roboter zwei. Im dritten steht der Hobbyantagonist, den mit irgendwem muss sich unser Held ja auch ausserhalb des Roboters prügeln,  mit seinem Vater aus Australien.

Damit der Bereich Comic Relief im ansonsten bierernst daherkommenden Monsterfilm auch besetzt ist, haben wir zwei Wissenschaftler die sich der Erforschung der Monster widmen, und einen Unterweltboss der in Hong Kong Monsterteile verkauft. Die Wissenschaftler finden noch einige Details heraus um den Masterplan der Portalsprengung auch durchführen zu können. Sie sind also nützlicher als erwartet.

Warum genau sind wir jetzt nochmal ausgestiegen? Damit wir deiner Schwiegermutter zum Geburtstag gratulieren können Sohn…

Vorher gibt es, nach einer gefühlten Ewigkeit, erstmal eine kleine Schlägerei um zwei der vier Robotercrews ins Jenseits zu befördern und unseren Helden nebst Copilotin als Team endgültig zu etablieren. Danach geht’s zum Portal, die eine Crew opfert sich, die andere sprengt das Portal und rettet sich vorher, unser Held kriegt die neue Roboterpartnerin zur Partnerin nachdem man damit fertig ist und aus.

Ich hatte eigentlich erwartet, hier wäre irgendein Manga zum Realfilm verarbeitet worden und aufgrund dessen würden so viele Informationsfragmente um die technischen Details, die Aliens und die Driftkompatibilität in der Luft hängen. Doch eine Vorlage gab es wohl nicht, Regisseur Guillermo del Toro schrieb das Drehbuch zusammen mit Travis Beacham. Ich hätte auch erwartet, dass der Film von den meisten Kritikern fröhlich zerpflückt wurde, allerdings erhielt das ganze überwiegend positive Bewertungen.

Zumindest von mir gibt es keine, der langatmige Film mit dünner Handlung, wenig Charakterentwicklung, schwacher dramaturgischer Ausgestaltung bei der zentralen und zeitaufwendigen Suche nach einer Copilotin und zu wenig Actionszenen für einen Film mit der Grundthematik in den 131 Minuten, war nicht sonderlich unterhaltsam. Man kann ihm nichtmal die Style over Substance Problematik vorhalten, bei der „Substance“ wäre ne weiße Leinwand für die volle Filmdauer die einzige Möglichkeit das in Balance zu bringen.

Zumal das auch gar nicht das Problem des Films ist, das liegt definitiv darin die Zeit zwischen den Actionszenen mit etwas zu füllen und dieses auch angemessen zu präsentieren. Hier hat man bestenfalls eine lose Idee was die Charaktere an Zielkonflikten und Entwicklungen durchmachen sollen, bringt es aber nicht auf die Leinwand.

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